Warum wir nicht sterben können

Die Menschen haben Angst vorm Sterben und vor dem Tod. Ich frage mich, wovor genau. Was passiert beim Sterben ? Sie würden vielleicht sagen: Ich höre auf zu sein. Oder: Ich höre auf, auf dieser Welt zu sein und ob ich wirklich in einer anderen Welt ankomme, weiß ich nicht. Angst macht mir, dass ich aufhöre. Es ist schrecklich, zu denken, zu wissen, dass ich aufhöre, weil ich doch schon immer da war, in der Welt, die ich kenne. Ich gehöre zu der Welt, die ich kenne, es gibt nichts mehr, wenn ich nicht da bin. Das ist schrecklich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich einmal nicht mehr bin. Es ist nicht richtig, es ist ungerecht, dass ich nicht mehr bin. Und wenn es Gerechtigkeit gibt, dann muss ich wenigstens irgendwo anders weiter existieren, aber ich bin mir nicht sicher, ob das der Fall sein wird.

Entweder es gibt keinen Gott, der für Gerechtigkeit sorgt, oder es gibt einen, der mich aber vielleicht nicht erwählt, da ich vielleicht zu schlecht war. Ich war ja auch schlecht, aber ich kann nichts dafür, ich wollte ja gut sein, aber ich bin zu schwach dazu, ich konnte es nicht. Ich wollte immer gut sein, aber in jedem Einzelfall überwog dann doch das Interesse am eigenen Vorteil, ich musste so handeln, es gab keine Alternative, aber ich bin eigentlich nicht schlecht sondern nur schwach. Und: Hat Gott, wenn es ihn gibt, mich nicht so schwach gemacht ?

Beruhige dich. Du wirst nicht sterben, du kannst nicht sterben. Du weißt es nur noch nicht. Du weißt nämlich nicht, was du mit sterben meinst. Ist es dein Körper, der stirbt ? Gut, wenn du meinst, dass es sich darum handelt, dann mach dir folgendes klar: Wenn dein Körper stirbt – und das wird ohne Zweifel irgendwann eintreten – dann ist es ja wie ein Unfall, also so wie wenn du dein Auto zu Schrott fährst. Das ist nicht weiter bedenklich. Oder doch ? Denkst du, dein Körper, dass bist du ? Also wenn dein Körper stirbt, dann bist du auch tot ? Wie hängt dann dein Körper mit dir zusammen ? Ist es das Gleiche ? Bist du eine Funktion deines Körpers ? Bist du einfach nur dein Körper ?

Wenn du letzteres bejahst, dann sind deine oben genannten Ängste gegenstandslos. Denn dann sind deine Vorstellungen von dieser Welt bloße Funktionen deines Körpers. Ein Körper kann aber keine Ängste haben, ein Körper hat nur Zustände, also schwach oder stark oder krank oder gesund. Ein Körper hat keine Fehler, er kann keine Fehler machen. Er kann nur leben oder sterben, nichts dazwischen. Ängste sind aber ein Dazwischen. Man hat Angst vor etwas, was noch nicht eingetreten ist, was also noch nicht körperlich ist. Etwas virtuelles.

Wenn du Virtuelles akzeptierst, ist es etwas anders. Dann würden, im Falle des Ablebens deines Körpers, auch deine Vorstellungen aufhören, was von den genannten Ängsten begleitet sein würde.

Bei diesen Ängsten dreht es sich vor allem um die Vorstellung deines Ich’s, welches vergehen würde. Kannst du sagen, was dein Ich ist ?

Das wird wohl schwer, auch aus formalen Gründen. Denn wenn du es sagen kannst, gibt es immer die Frage, wer dann das sagt. Diese Stelle bleibt zwangsläufig blind. Du magst über diese Schwierigkeit hinwegsehen und auf dein Gefühl als derjenige, der hier die Fragen und die Antworten herstellt, hinweisen: Ich bin doch da, das spüre ich doch. Ich glaube aber, du spürst das, weil andere dich das spüren lassen, es ist ein bloßer Reflex. Dieser Reflex allerdings wird nicht verloren gehen, wenn dein Körper stirbt, denn sie werden weiterhin an dich denken. Du kannst dich nicht selbst und allein spüren, das haben reale Experimente mit Isolationshaft grausam bewiesen.

Aber meine Geschichte endet doch. Das ist es, was ich als grausame empfinde. Meine individuelle Geschichte. Die ist doch einzigartig und darf deshalb nicht enden. Weil es dann diese Einzigartigkeit nicht mehr gibt.

Müssen denn nicht alle Geschichten einmal enden. Auch die unendliche Geschichte endet, Gott sein Dank, nach 428 Seiten. Wäre es nicht grausam, wenn eine, deine Geschichte nie endete ? Schau, wenn deine Geschichte nicht endete, dann würden deine Handlungen doch alle bedeutungslos werden. Du könntest keine Fehler mehr machen, weil du alles wieder gut machen könntest. Es gäbe dann aber auch nichts Gutes mehr, weil eh alles egal wäre. Ein unendliches Leben ist Folter, weil alles verschwimmt, weil alles blass und nichtig wird. Es wird einem am Ende gar nichts mehr einfallen, was man machen könnte, man wird das Ende herbeisehnen, wie eine Erlösung. Das Ende ist eine Erlösung.

Die Angst vor dem Sterben ist nur dann relevant, wenn du an etwas wie Seele glaubst oder Ich, das dann aufhören würde. Manche glauben ja auch an ein Weiterleben dieser Wesen aber ich nicht. Dein Ich kann aber nicht aufhören, weil es nicht existiert. Es ist ein Irrtum. Irrtümer werden irgendwann einmal geklärt. Das ist Sterben.

Es ist also nicht das Ende, denn etwas, das nicht existiert, kann auch nicht enden. Wenn du es schaffst, den Irrtum deines Ich’s aufzuklären, solange dein Körper noch lebt, wirst du erkennen, dass der Tod nichts ändert.

8 Gedanken zu „Warum wir nicht sterben können

  1. Das Leben endet nicht. Wir haben keine Möglichkeit das Leben zu beenden. Der Tod ist lediglich ein Übergehen in ein neues Leben, ebenso wie der Schlaf ein Übergang ist in einen neuen Tag. Mein Tod wird traurig sein für die die mich lieben, aber nicht für mich. Für mich wird es ein Loslassen sein, von dieser Welt., und ein Auftauchen, vielleicht eine Geburt, in der nächsten. Ich ist unzerstörbar. Im Gegensatz zu dieser Welt.

    1. Wie stellst du dir denn das wieder Auftauchen vor ? Bleibt deine Person, du, dein Ich oder deine Seele dabei irgendwie erhalten ? oder wirst du ganz verwandelt sein ?

      1. Ich kann mein Ich nicht transzendieren, daher kann ich über mein Ich keine Aussagen machen. Der Mensch erkennt irgendwann, mit ca. 2-3 Jahren Lebensalter, dass er selbst existiert. Damit wird die Aussage „ich“ möglich. Ein Tier kann nicht „ich“ denken, zumindest nicht in unser Vorstellung eines Tieres. Die Möglichkeit „ich“ zu sagen, ist eine, whs. die entscheidende, Voraussetzung aller Vorstellung und damit alles Wissens. Erst durch diese Voraussetzungen sind wir Menschen überhaupt in der Lage, die Frage nach dem Tod zu stellen. Wir können z.B. erkennen, dass im 15. Jhd. Albrecht Dürer gelebt hat und gestorben ist. Das gibt uns anscheinend auch die Möglichkeit, ein Leben zu überschauen, und damit auch den Tod zu betrachten. Aber das ist eine Illusion. Nicht ich stirbt, sondern meine Vorstellung von „ich“ geht über in eine neue Ebene. Es ist ein wenig wie These/Antithese->Synthese. Daher auch der Satz: Ich ist unzerstörbar. Man muss dafür die erste Person und die dritte Person in einen (sic!) Satz sagen. Aber das sind natürlich Spielereien. Am Ende ist die 4. Dimension, das ist whs. das konkreteste Wort, für uns nicht erkennbar. Wir können nur Spuren davon erkennen, ähnlich wie Astronomen Spuren schwarzer Löcher nachweisen. Eine solche Spur ist der Schlaf bzw. die allen Menschen geläufige Fähigkeit, mehrere Stunden einfach zu überspringen. Wir können im Tod jede Zeit überspringen, whs auch in die Vergangenheit, denn die Vorstellung von Zeit als Kontinuum ist eine dreidimensionale Illusion. Einfach gesagt: in der 4. Dimension geschieht alles zur gleichen Zeit. Die Zeit ist whs, die äussere Hülle der 4. Dimension, so wie die Fläche die äussere Hülle der 3. Dimension ist. Diese Überlegungen sind spekulativ, natürlich. Fest steht lediglich, dass wir über die Zeit nach dem Tod nichts wissen.

  2. Deinen Kommentar verstehe ich größtenteils leider nicht.
    Geht schon beim ersten Satz los: „Ich kann mein Ich nicht transzendieren, daher kann ich keine Aussagen über mein Ich machen“. Das verstehe ich nicht. Für eine Aussage bedarf es doch keiner Transzendenz (?), sondern nur einer Selbstreflektion (?)
    Ob ein Tier „Ich“ denken kann, kann man schwer wissen. Der amerikanische Philosoph Thomas Nagel hat das in „How it is to be a bat“ hinreissend diskutiert, ohne allerdings diese Frage genau zu beantworten.
    Immerhin gibt es ja dieses interessante Experiment, in dem verschiedenen Tieren im Schlaf ein bunter Strich ins Gesicht gemalt wird, und sie sich dann in einem Spiegel anschauen können. Das spannende ist, was sie dann machen. Nun gibt es eine ganze Reihe von Tieren, die dann versuchen sich selbst durch kratzen o.ä. den Strich wegzumachen. Das sind Primaten und andere Affen, aber auch Aras und Dohlen, Elefanten und Delfine. Aber was sagt das? Irgendwie scheinen sie zu wissen, dass sie da sind, dass sie nicht ihr Spiegelbild sind, also dass sie im Spiegel sind, dass ist schon eine Art Selbstbewusstsein.
    Aber das entscheidende Nicht-Verstehen wird durch folgenden Satz ausgelöst: „Das gibt uns anscheinend auch die Möglichkeit, ein Leben zu überschauen, und damit auch den Tod zu betrachten. Aber das ist eine Illusion. Nicht ich stirbt, sondern meine Vorstellung von „ich“ geht über in eine neue Ebene. Es ist ein wenig wie These/Antithese->Synthese.“
    Erstens gibt es durchaus Tiere, den Tod ihrer Artgenossen erleben, oder sich zumindest so verhalten, dass wir annehmen müssen, dass sie es tun. Aber dennoch glaube ich nicht, dass sie verstehen können, dass sie selbst sterben werden. Zu diesem Rückschluss bedarf es m.E. weit mehr Bewusstseins, als es Tiere haben. Aber warum ist es bei Menschen eine Illusion, den Tod zu betrachten. Warum stirbt nicht das Ich sondern meine Vorstellung von Ich geht über in eine neue Ebene ? Das müßtest du irgendwie begründen.
    Dann kommt dein Schluss: „Ich ist unzerstörbar“, Warum kommst du zu diesem Ergebnis ?
    Ich würde dazu sagen: Ganz recht, das Ich ist unzerstörbar, weil es eben nicht existiert, es existiert nur eine Illusion von „Ich“, die ist zerstörbar, wenn auch schwer. In der Buchbesprechung hier im Blog über das sehr lesenswerte Buch von Wolf Singer und Mattieu Ricard „JenIch ist unzerstörbarseits des Selbst“ wird das Thema ebenfalls diskutiert und dabei Singer zitiert, der sagt, dass auch auf hirnlicher Ebene soetwas wir ein Ich nicht gefunden werden konnte. Das Gehirn ist dezentral strukturiert, es gibt kein Arreal in dem etwa Aktivitätsmuster zusammen laufen würden.
    Das ganze mit der 4. Dimension verstehe ich nicht. Aber der letzte Satz: „Fest steht, dass wir über die Zeit nach dem Tod nichts wissen“, den würde ich unterschreiben, aber mir scheint, du weißt doch et
    was, nämlich, dass dein Ich weiterexistieren wird. Woher weißt du das ?

  3. Lieber Carsten, zunächst möchte ich sagen dass ich diese Diskussion liebe. Einfach so. Das ist so eine brüderliche Angelegenheit, aber ein wenig Salz hat sie durch den Umstand, dass andere das auch lesen und hoffentlich bald auch kommentieren können.

    Um mit der letzten Frage anzufangen: Ich weiss nicht mehr als du oder jeder andere. Aber im Grunde können wir die Diskussion nur führen, wenn die Grundfrage geklärt ist. Gibt es „ich“? Deine Antwort ist (vereinfacht): Nein, das ist eine Illusion. Meine Antwort ist (vereinfacht): Ja, es gibt sogar gar nichts anderes.

    Ich werde nun versuchen, meine These zu erhärten. Aber ich könnte im Grunde auch mit deiner Antwort leben, denn die beiden Antworten sind erstaunlicherweise durchaus gleichzeitig möglich.

    Ok, aber nun zu meiner These: Das meiste habe ich oben schon gesagt. Der Ursprung der These liegt im Prozess der Ich-Entstehung. Wie auch immer es mit den Tieren ist, eines ist klar: Ein Baby hat kein Ich-Bewusstsein. Ein Kind erkennt irgendwann mit 1-2 Jahren dass es selbst da ist. Es fängt dann an zu sagen : Ich. Erst ab diesem Punkt gibt es „ich“ für dieses Kind. Davor ist es ichlos. Aber es ist ja trotzdem bereits Mensch, hat Hunger, kann Schmerz und Freude empfinden etc. Das heisst: Mensch sein ist ohne Ich möglich. Nun stellen wir uns doch mal einen Menschen vor, der sein ganzes Leben ichlos bleibt. Da kommt ein Wesen raus, das isst und schreit und sich fortpflanzt. Aber es wird whs nur eine sehr rudimentäre Sprache entwickeln. Es wird kein Wissen akkumulieren. Und es wird nicht wissen dass es irgendwann sterben muss. Natürlich sind das alles nur Annahmen, denn wir können solch einen Menschen ja nicht real beobachten. Aber in einer philosophischen Diskussion sind Annahmen, Vorstellungen und Theorien akzeptabel, ja geradezu notwendig.
    Wenn der ichlose Mensch kein Wissen hat, keine Sprache spricht und nichts über seinen Tod weiss, dann kann man das Argument auch umdrehen. Dann kann man sagen: Die Ichwerdung ist notwendige Voraussetzung des Wissens, der Sprache, des Todesbewusstseins. Ohne Ich kein Todesbewusstsein. Ohne ich kein Tod (was ich nicht weiss macht mich nicht…). Aber das heisst wiederum: Ich stirbt nicht. Ich kann „ich“ nicht transzendieren, denn ich ist die conditio meiner Frage nach dem Tod.
    Andererseits: Es gibt keinen Hinweis darauf, dass „ich“ mit dem Ableben des Körpers selbst auch untergeht. Und hier kommt denn auch der „Beweis“ dafür, dass ich weiterlebe. Ich kann mir nicht vorstellen, nicht zu sein. Es geht nicht. Es ist schlicht unmöglich. Du kannst es auch nicht. Du kannst dir vorstellen, dass dein Körper leblos ist. Aber in dieser Vorstellung betrachtest du deinen leblosen, modernden, verbrennenden Körper. Aber du selbst, der Betrachter, ist ja weiterhin vorhanden. Du überlebst deinen Körper, in dieser und in jeder anderen Vorstellung die du produzieren magst. Und dies kannst du mit mir, via Sprache, austauschen. Aber das geht alles nur weil dein Ich mit 1-2 Jahren in deinen Körper eingetreten ist, und du somit begonnen hast deiner selbst bewusst zu sein.
    Ich halte es nun so: Wenn mein Körper stirbt, werde ich weiterleben. Das ist zum einen das Einzige was ich mir vorstellen kann, und zum anderen ist es auch noch eine Methode, den Tod in Schach zu halten. So richtig doll Angst macht er mir dann nicht mehr. Soweit zum philosophischen, analytischen Aspekt.

    Interessant sind dann natürlich all die Spekulationen und Visionen, die man über das Leben nach dem Tod so entwickelt. Da kommt dann die 4. Dimension rein. Ich halte es für wahrscheinlich dass man mit dem Ableben die Dimension Zeit verlässt und in die Lage versetzt wird, alle zeitlich hintereinander angeordneten Geschehnisse gleichzeitig zu sehen. so wie ich heut durch den Raum bis nach Australien reisen kann, kann ich dann durch die Zeit reisen,und z.B. Kolumbus auf seiner Reise nach Amerika besuchen. Andererseits wird mir jeder Eingriff in die 3. Dimension verwehrt sein. Spannend wird sicher, wie ich mich auf meine eigene Biographie beziehe, und ob ich Kontakt zu anderen haben kann. Das sind allerdings extrem spekulative Träumereien. Der Traum gibt uns heute bereits einige Einblicke in diese zukünftige Welt. Überhaupt ist der Schlaf der kleine Bruder des Todes, mit und in ihm kann man schon mal ein wenig sterben üben. Ohne Anstrengung, wohlgemerkt, denn Anstrengung und Stress sind Aspekte des Tages, und der Tod ist ein Freund der Nacht.

    Ich wünsche dir alles Gute und träume schön.

  4. Liebe Petersens, ich bin mir nicht sicher, ob ich Eure Gedanken so richtig verstanden habe. Ich versuche es mal mit meinem eigenen Zugang zu dem Thema.

    Dazu muss ich allerdings etwas ausholen.
    Für mehrzellige Lebewesen ist eine gute Steuerung in Verbindung mit einer halbwegs verlässlichen Sensorik von großem Vorteil, besonders wenn es da noch andere gibt, die sich für ähnliche Ressourcen interessieren oder andere als Ressource betrachten.
    Wer also die Umgebung besser interpretieren kann, adäquater auf Angriffe reagieren kann und mehr Nahrung findet, sollte bessere Überlebens- bzw. Fortpflanzungschancen haben. Wir wissen auch seit geraumer Zeit, dass die Götter, als sie so vor ca. 580.000.000 Jahren mit diesen Mehrzellern starteten, die Sache sparsam angingen und erst Schritt für Schritt – vermutlich nach sorgfältiger Abwägung – Verbesserungen einführten.

    Die ersten Versuchstiere hatten daher nur wenige Nervenzellen. Vermutlich reichte es lange Zeit festzustellen, links knabbert mich jemand an, also flüchte ich nach rechts.
    Dann intensivierten die Götter den Rüstungswettlauf. Die Sensorik wurde ausgebaut. In der Folge musste natürlich auch die Reizverarbeitung verbessert werden. Da die Götter offensichtlich immer noch recht sparsam bei Investitionen in den Erkenntnisapparat waren, verfielen sie auf einen Ansatz, den man im Nachhinein nur als äußerst hinterhältig beurteilen kann. Statt gleich richtig in Gehirne zu investieren, die ordentlich Mathe, Philosophie und Ähnliches betreiben konnten, setzten sie auf Emotionen für die finale Beurteilungsebene. Das wäre in meinen Augen kein so großes Problem, hätten sie nicht später doch auf diesen ganzen Abstraktionskram gesetzt.

    Ich kann nur vermuten, sie hatten zu viel geraucht. Vielleicht war ihnen aber nur langweilig.

    Mir machen diese ganzen Widersprüche auf der obersten Entscheidungsebene jedenfalls von Zeit zu Zeit rechte Probleme. Normalerweise kann ich Konflikten zwischen Abstraktions- und Emotionsebene meines Körpers aus dem Weg gehen. Gute und der jeweiligen Mode angepasste Umgangsformen helfen meist schon.
    Jetzt aber verlangst Du die volle Konfrontation. Soll ich mich also vor etwas fürchten und sofort reagieren z.B. Tod nein danke schreien oder etwa abwägen, was wohl die langfristig bessere Lösung für mich und die Meinen wäre, wie wir dahin kommen, was wohl die Auslöser für die ganze Misere sind und wie man das in Zukunft vermeiden kann? Noch schrecklicher wird es, wenn mir dann jemand mit dieser Angst-vor-dem-Sterben oder Sinn-des-Lebens-Debatte kommt.

    Casten, ich dachte immer Du bist mein Freund! Da spricht Du zunächst ganz harmlos von Tod, ob es ihn überhaupt gibt oder warum wir das nicht richtig hinbekommen mit dem Sterben. Je nach Lage der Dinge sagt meine oberste Entscheidungsebene einfach Flucht oder Kampf. Du aber musst diese an sich ja einfache Sache unnötig kompliziert machen, indem Du einen zwingst darüber nachzudenken und das dann auch noch im Vorfeld (virtuell oder als Modellvorstellung), wenn also noch gar kein vernünftiger Grund dafür vorliegt! Besonders perfide wird es, wenn du dann nebulös von „Vorstellung-des-Ichs“ sprichst. Ich bitte Dich, soll ich jetzt etwa mit diesem entwicklungsgeschichtlich völlig neuen und unerprobten Analyseteil über meine Emotionen und die damit verbundenen Konflikte nachdenken?

    Mir kommt es vor, dass wir den Analyseteil völlig überbewerten, uns aber ständig darauf berufen, obwohl wir eigentlich nur den emotionalen Teil benutzen. Es geht ja auch viel einfacher und schneller ohne. Jedenfalls funktioniert es zuverlässig! Was wäre unser Leben ohne Vorurteile, Kurzschlüsse und voreilige Schlussfolgerungen? Sollen wir etwa jedes Problem unter statistischen Ansätzen, möglichen Folgekosten unserer Handlung oder sonstigen übertriebenen wissenschaftlichen Dingsbums betrachten?

    Besonders praktisch finde ich da doch unsere Fähigkeit zu voreiligen Schlussfolgerungen. Ist doch viel klarer. Zunächst sind mal die Anderen schuld. Das leuchtet fast jedem unmittelbar ein. Dann kann man die Sache leicht eskalieren und z.B. Krieg führen.
    Ok, wirst Du sagen, jetzt trägt er aber dick auf mit diesem Analyse- und Emotionsteil und was hat das mit der ursprünglichen Frage zu tun?

    Schlaue Leute, wie z.B. Daniel Kahnemann haben darüber viel veröffentlicht und sogar ein Bestseller geschrieben. Er nennt es allerdings langsames und schnelles Denken.
    Das wichtige Thema Todesangst wird leider nicht behandelt.
    Ich habe sein Buch natürlich nicht gelesen. Sonst könnte ich es ja auch nicht kritisieren. Du siehst, ich bin auf der Höhe der Zeit!

    Zurück zum Thema. Es gibt also Mehrzeller, die mit vergleichsweise kleinen Gehirnen recht erfolgreich sind. Zumindest vermeiden sie den Tod solange es sinnvoll ist.
    Sicherlich haben sie die Götter mit fein abgestimmte Emotionen zum Thema Vermeidung des vorschnellen Ablebens ausgestattet. Mit Sicherheit wird dieses emotionale Organ keine großartigen Modelle von etwas machen, das nur so kurz dauert. Also kein Grund zu Traurigkeit.
    Dann erscheinen auf einmal diese Menschen mit den aufgeblähten Köpfen auf der Bildfläche und machen sich mit Ihrem neuartigen Abstraktionsapparat Sorgen um alles Mögliche und natürlich auch über Leben und Tod und das Leben danach.
    Lächerlich sich von einem unerprobten und neumodischem Teil derartig verunsichern zu lassen. Danke, ich sehe jetzt, Du liegst völlig richtig! Allerdings hättest Du das auch einfacher ausdrücken können, oder?

    Gruß Frank

  5. Die Korinthe

    In einem kleinen Haus am Meer
    Da lebte – wann weiss ich nicht mehr¨
    Ein einem Fass voll Tinte
    Eine Korinthe

    Korinthen sind ja braun und klein
    Drum sagte sie sich ; Ich will kein
    Rosinenkacker sein!

    Ich schwöre daher Stein auf Bein
    Ich bin es nicht! Denn ich bin ein-
    e kleine nein Korinthe nicht!
    Nein!
    Ich bin eine Finte

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